Skåneleden -AS Till ASleden- 07.07.-14.07.2017

 

Was für eine verrückte Idee!!!

Wir zwei, mit Rucksack und Zelt, Proviant für 6 Tage und einer Karte mit den eingezeichneten Wasserstellen, 160km mit 16kg auf dem Rücken durch die Wildnis von Südschweden. Uns erwarteten viele Moore, Birkenwälder, Mücken, Seen, Haine, Mücken, Felder, Wiesen Wälder, Mücken, Sumpfgebiete, Mücken, Mücken, Mücken.... (Naja, was das mit den Mücken auf sich hat, wussten wir noch nicht wirklich)

Sicherheitshalber mit Aktiv-Kohlefilter bewaffnet, dass wenn die erwähnten Wasserstellen nicht gefunden würden, wir aus einem Tümpel Frischwasser ziehen könnten.

Erfahrungen hatten wir nicht wirklich! Bisher 2 x wild im Zelt übernachtet, noch nie gefriergetrockneten Powerfood gegessen, geschweige denn noch jemals einen Wasserfilter benutzt.

Schon die Planung war ein Abenteuer für sich. 

Als erstes haben wir direkt in Schweden eine Wanderkarte von SL3 bestellt. Darauf hin stellten wir unsere Etappen (nach Wasserstellen) zusammen. Wie lange wir unterwegs sein würden, wo wir Pausen einlegen könnten/müssten, Wieviele Kilometer pro Tag . Wir errechneten, wieviel Essen wir mittragen sollten. Die Ankunftszeit des Fluges und die Verbindung mit dem Zug musste stimmen, damit wir noch rechtzeitig zum Einkaufen von Gas für den Kocher, Food und Wasser kamen. Auch hatten wir uns überlegt, wie wir beim Scheitern unseres Vorhaben,s wieder in die Zivilisation finden und zurück kehren könnten.

Noch schnell zwei Flugtickets und los ging unser Abenteuer.


Die Anreise

Von Basel flogen wir in einer Stunde nach Kopenhagen / Dänemark. Von da aus nahmen wir die Bahn über den Teich nach Malmö. Wow, war das ein Gedränge. Dieser Zug war so voll! Und die Menschen, die vermutlich täglich in diesem Zug fahren müssen, waren voll agrresiv! Kurz vor dem durchdrehen eines Mitfahrenden, konnten wir glücklicherweise, den überfüllten Zug in Malmö / Schweden verlassen.

Bevor wir uns auf den Weg in die Innenstadt machten, checkten wir noch kurz, wann ein Zug weiter nach Helsingborg fährt.

Malmö hatte eine hübsche, kleine Altstadt und wärend wir zielstrebig einen zuvor ausgemachten Outdoor-Laden suchten, hatten wir kaum Zeit um das um uns Geschehene wahrzunehmen. Da die Läden bald schliessen würden, lagen unsere Priorität auf Essen und Gas einkaufen für unser Reise ins Niemandsland.

Nach dem wir unsere Vorräte aufgefüllt hatten, begaben wir uns zum Bahnhof und somit auf unsere Weitereise.

In Helsingborg ein letztes Mal umsteigen und unsere Weiterfahrt endete in Astorp. Unser Ausgangspunkt. Raus aus der Zivilisation, rein in die Natur. Nach einem ersten Umweg kamen wir spät Abends bei unserem Startpunkt für unseren Weg an. Noch schnell ein Platz gesucht, Zelt aufstellen, sich reinkuscheln und ab ins Land der Träume.

Morgen gehts los....


Nach eine kurzen und ungewohnten Nacht im Zelt erwachten wir am Morgen trotzdem einigermassen ausgeschlafen. Neugierig auf das was kommen würde starteten wir voller power in den neuen Tag. Nach anderhalbstunden Packzeit, bis Alles wieder an seinem Platz war, ging es endlich los.

Nach 1,5 Stunden Fussmarsch kamen wir an unseren ersten Badesee. Wir starteten mit unsere Morgentoilette, Zähne putzen, Baden, Haare waschen. Wir wussten ja nicht, wenn wir das nächste Mal auf soviel Wasser treffen würden. Also genossen wir unseren momentanen Luxus in vollen Zügen.

Unser Weg führte uns weiter auf Holzpanelen durch Moore und Waldgebiete. Niemand weit und breit, nur wir und die Natur. Nach ca. 10km erreichten wir den ersten Unterstand Halebäck, wo wir unsere erste Mahlzeit zubereiteten. Ein Feuer, ein Tee und dänische Hotdogs und wir konnten unsere Wasservorräte wieder auffüllen.

Mit immer wieder vielen kleinen Pausen, ging es stetig weiter über Wiesen, Felder, Kiesstrassen und Pfade bis wir irgendwann im sumpfigen Wald nach oben auf die Bergspitze (100HM) stiegen und vom Aussichtspunkt über die Wälder blicken konnten.

In Krikas Kog war unsere Tagesetappe zuende. Und weil wir nicht mehr laufen konnten, haben wir einen Platz in der Nähe eines Dorfes in einem Waldstück für unser Nachtlager gewählt. Völlig kaputt kochten wir unser Happymeal (gefreirgetrocknetes Essen, das mit heissen Wasser aufgegossen wird) das nicht mal so übel schmeckte und das wir auf unserer weiteren Reise noch lieben lernten.

Bereits um halb neun am Abend waren wir nach 24km laufen im Zelt schlafbereit oder voll fertig zum Penne.


Oh! Unser erster Regentag! Nach einer guten langen Nacht geht das Zusammenpacken bereits etwas schneller.  Anziehen, Ausziehen ist angesagt. Herrlich das saftige Grün der Wälder und Wiesen. Immer wieder anhalten, staunen und fotografieren. Wir geniessen uns und unsere Zeit.  Und wieder ein neuer Unterstand Ekeröd Rasten mit einem wundervollen See für uns alleine. Unverhofft und einladend zum Baden und Erfrischen. Dunkelbraunes Wasser, aber trotzdem ein wahrer Genuss um geschundene Füsse und stinkende Körper zu kühlen bzw. zu waschen. Wir breiteten unser nasses Zelt aus und nahmen uns erneut Zeit für ein Happymeal.

Schön erfrischt und immernoch in der Sonne liegend gings plötzlich los. In der Ferne war ein Motorengeräusch zu hören! Klang nach einem Moped, und da noch eins und noch eins und gaaaaanz viele.... sie kamen immer näher und waren plötzlich sichtbar. Sie kamen auf unseren Rastplatz zugerarttert. Es waren spezielle Motorräder, also Dreiräder. Darauf jeweils ein erwachsener Mann und vorne drin ein Junge mit sämtlichem Zubehör zur Übernachtung auf diesem Rastplatz. Es waren bestimmt 6 oder sieben solcher Fahrzeuge.

Wir wurden aus unsere Idylle rausgerissen und verliessen kurz darauf den überfüllten Unterstand. Naja, es war Samstag und die Jungs verbrachten wahrscheinlich mit den Älteren das Wocheende im Wald... Was für ein Abendteuer für diese Kinder.

Wir liefen weiter in den Nationalpark Söderasens hinein, in dem Wissen, dass sich darin ein Restaurant befindet. Das lässt doch ein Wanderherz direkt höher Schlagen. Gelüste kommen breits nach zwei Tagen, fern ab von der Zivilisation, auf.

Regen begleitete uns den ganzen Tag. Auf und ab gings und vor lauter Müdigkeit musste Strizzi wieder mal ein paar Witze loslassen, bis wir dann endlich beim Restaurant ankamen.

Der heutige Tag war endlos! Wir haben uns irgendwie verrechnet und die Strecke schien immer länger zu werden, aber schliesslich nach dem Durchqueren eines kleinen Ortes, haben wir es doch noch geschafft.  In Schweden gibts nur wenige Orte, wo man sein Zelt nicht aufschlagen darf. Einer davon sind die Nationalparks. Am Abend konnten wir keinen Schritt mehr weiterlaufen, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als unser Lager im Park einzunehmen. Etwas versteckt, abseits vom Weg stellten wir dann doch, mit schlechtem Gewissen, unser Zelt auf. Die Nacht war sehr ruhig und komatös.


Nach unserem fixen Zusammenräumen führte uns der Weg aus dem wunderschönen Naturschutzgebiet. Draussen angekommen bereiteten wir uns ein Frühstück zu. Essen geht immer. Der Körper brennt unentwegt und schreit nach Nahrung.

Traumhafte Aussicht auf den Fluss von oben und über Bretterstege liefen wir immer weiter und weiter bis wir igrnedwann an eine kleinen See ankamen. Wir warfen uns müde ins Gras. Die Sonne wärmte uns und Strizzi zog, auf dem Rücken liegend die Hosenbeine über die Knie hoch. Und da waren sie! 2 Stück am linken Knie. Zecken!!!! Alarm.... was tun ohne Hilfsmittel? Jay, zieh sie raus, schrie Strizzi. Jay, antwortete: Wie denn? Schlussendlich haben wir die Dinger rausgekriegt. Jay hatte dann auch noch eine am Bauch und so, war uns gar nicht mehr um, im hohen Gras liegen und die Sonne geniessen!

Wir verfolgten unseren Weg weiter und kreuzten nach einer gewissen Zeit den Norwegischen Olafsweg mit Quelle und Kapelle. Während der Besichtigung der Kapelle trugen wir uns als Pilger in das Gästebuch ein. Naja, wir waren ja eigentlich nicht Pilger sondern eher Weitwanderer, aber egal.

Und das mit dem Rechnen haut auch nicht immer hin.

Fast am Ende unsere Etappe sind wir auf den nächsten, wunderschönen Badesee gestossen, wo wir uns wie immer erfrischten, wuschen und genossen. Nach kurzen 2 weitern Kilometer fanden wir einen Platz auf der Weide unter einem Baum. Hier hatte es zwar unheimlich viele kleine Mücken (Midges), aber wir hatten ein feinmaschiges Moskitonetz und konnten uns wenigstens Drinnen die Viecher vom Hals halten. Jay hatte sich freiwillig gemeldet um das Nachtmahl zu kochen. Die kleinen Viecher stürtzen sich sofort auf uns, sobald man das Zelt verliess. Bevor wir uns zum Schlafen hinlegten, lief noch ein Bauer mit seinem Hund vorbei. Vermutlich fand er es lustig, was wir hier veranstalteten. Dass wir keine guten Platz für unser Nachtlager erwischt hatten, stellten wir erst am Morgen fest.


Naja, auf eine Feld im Gras übernachten bedeutet eine hohe Feuchtigkeit am Morgen, also war beim Packen das komplette Zelt, nicht nicht nur die Planen, nass. Es nutzte aber Nichts, wir packeten unsere Sachen und zogen weiter. Durch gerodete Wälder gings weiter entlang endlos gerader Kieswege durch wunderschöne Märchenwälder auf unseren nächsten Unterstandplatz. Die ersten Blessuren und Kriesen machen sich breit, dennoch treibt uns die Neugier auf Mehr weiter. Basteln im Wald macht Spass und lenkt von der langen Etappe ab. Und die Fliegen sind da, ob man stinkt oder nicht. Steaks getarnt als Kühe und Steinkreise wie in Schottland.

Und da... eine Tanke mit Restaurant und Zeltplatz am See. Jeahhhh... Hinsetzen und Essen. Zeltaufbauen und Duschen. Schokolade. Und auf einem menschenleeren Zeltplatz schlafen. Ziel erreicht.


Ausgeschlafen und frisch aufgetankt mit Energie, sowie frisch angezogen haben wir unser Zelt wieder abgebrochen und ab ins Restaurant einen Kaffee schlürfen und den Bauch füllen mit einem feinen Morgenessen.

Sonnenschein und ab gings, voll motiviert, auf die nächste Etappe. Nach dem wir ein paar Mal vom Weg abgekommen waren, hatten wir unseren Unterstand doch noch gefunden. Auch hier wieder Rasten und Wasser auffüllen. Und Jay konnte ihre Hände wiedermal mit Seife waschen. Zelt ausbreiten, Schuhe ausziehen, Essen kochen und mampfen und in die Sonne liegen.

Schon bald gings weiter. Unterwegs sind wir dann wieder einmal auf einen vermeindlichen "Lost Places" gestossen. Für uns ein absolutes Fotografierfest.

Danach gings in den nächsten Nationalpark. Diese Natur, sagenhaft, wir hatten noch nie sowas Schönes geschen. Die Pflanzen, Bäume, Wiesen usw. soooooo speziell. Einfach traumhaft.

Wir stellten unser Zelt direkt an der Strasse neben einem Waldstück auf. Diesmal ohne schlechtes Gewissen. Die Mücken waren wieder lästig und die Frösche quakten. Das Nachtessen kochen wieder mit einem Affentanz verbunden. Tausend Mückenstiche.


In der Nacht hörte Jay Schritte und gespenstische Laute. Es hat gequikt und gegigeret hinter und vor dem Zelt. Was auch immer das für Tiere waren, sie kommunizierten miteinander. Und am Morgen ein schneller Aufbruch, wegen den Moskitos und Midges. Etwas wehmütig traten wir die letzte Etappe an.

Wir erreichten den nächsten, von Blumen umgebenen, Rastplatz, an dem wir das erste Mal unser Wasser abkochen mussten, nach dem wir es mit der Handpumpe aus der Tiefe nach oben beförderten. Noch schien die Sonne, das Zelt trocknete und wir konnten unser Frühstück geniessen. Jay hat sich in den Gaskocker verliebt!!? 

Der nächste grüne Abschnitt führte uns zum Lost Places "Flugmeldedienst Agusa". Schon von Weitem war das 3.5 Meter hohe Gebäude auf der hohe Stahlkonstruktion, die über die Baumwipfel ragte, sichtbar. Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, das Relikt das im 2. Weltkrieg von Schwedischen Luftstreitkräfte besetzt war, aus der Nähe zu betrachten. Wir kletterten über die Absperrbarriere und kämpften uns durch die Hecken, Bäume und moorstigen Boden bis wir direkt unten drunter standen. Schade nur, da war ein unüberwindbarer, riesiger Sicherheitszaun bestückt mit Kameras drum herum. 

Über Bohlen ging es weiter zum nächsten Rastplatz. Nochmals Feuer machen und dann raschelts plötzlich im Wald und siehe da... Mann mit Rollator! Nochmals ein Happymeal mit viel heissen Tee und noch mehr Wehmut gingen wir die letzten 16km an.

Regen während den letzen Kilometern und ab in die Highlands. Das Wetter und auch die Landschaft erinnerten uns stark an die schottische Hochebene.  Kurz darauf war schon von weitem der Strassenverkehr hörbar. Langsam kamen wir zurück, zurück in die Zivilisation. 2 Kilometer vor dem Ziel, ist es für uns noch nicht fassbar, dass wir es bald geschafft haben. Unser Ziel erreicht haben, Durchgelaufen sind und heil Angekommen sind. 

Und da, eine Tankstelle... wir gingen hinein und bestellten sofort Dänische Hotdogs.

Den gröbsten Hunger gestillt ging es ab ins nächste Hotel, Herberge oder was auch immer. Das einzig freie Gästehaus "Dr.House" war völlig überteuert, aber mit grosser altmodischer Badwanne auf Füssen und einem weichem Bett.

Was für ein Chaos in unserem Zimmer und was für ein herrlich tiefer Schlaf erwartet uns in einem frischen Bett. Und Morgen einfach ausschlafen und nicht Laufen.